Schnarchschiene oder Nasendilator: Was passt zu dir?
Schnarchschiene oder Nasendilator: die kurze Antwort
Ob dir ein Nasendilator oder eine Schnarchschiene hilft, hängt davon ab, wo dein Schnarchen entsteht.
- Kommt das Geräusch aus der Nase (verengte Nasenwege, Allergie, Erkältung), kann ein Nasendilator den Luftstrom verbessern. Günstig, sofort einsetzbar, aber nur bei einer echten Nasen-Ursache wirksam.
- Kommt es aus dem Rachen (zurückfallende Zunge, erschlaffter Gaumen), setzt die Unterkieferprotrusionsschiene am richtigen Ort an. Sie schiebt den Unterkiefer leicht nach vorne und schafft so mehr Platz im Rachen.
- Beides ist keine Behandlung einer Schlafapnoe. Bei lautem, unregelmäßigem Schnarchen mit Atemaussetzern und Tagesmüdigkeit gehört das in ärztliche Abklärung. Ein Drogerie-Hilfsmittel reicht hier nicht.
Der schnellste Wegweiser ist deine Ursache. Den passenden Selbst-Check und die Kosten findest du weiter unten.
Warum die Ursache über die Wahl entscheidet (Nase vs. Rachen)
Schnarchen entsteht, wenn erschlaffte Weichteile im oberen Atemweg im Luftstrom vibrieren. Entscheidend ist, wo genau die Engstelle sitzt. Das kann die Nase sein, der weiche Gaumen mit dem Zäpfchen, der Zungengrund oder die Rachenseitenwände [1].
Jedes Hilfsmittel wirkt nur an seinem eigenen Wirkort. Ein Nasendilator etwa weitet den vorderen Nasenraum, und sitzt deine Engstelle hinter dem Zungengrund, bringt das wenig. Die Unterkieferprotrusionsschiene wiederum vergrößert den Raum im Rachen, indem sie den Unterkiefer und damit die Zunge nach vorne hält. Gegen eine verstopfte Nase richtet sie nichts aus.
Die deutsche S3-Leitlinie zum Schnarchen bildet diese Logik direkt ab. Bei einer nasalen Atembehinderung im Bereich der Nasenklappe sieht sie einen Therapieversuch mit Nasendilatatoren vor, also nur bei nachgewiesener Nasen-Ursache [2]. Für geeignete Fälle mit rachenbedingtem Schnarchen empfiehlt dieselbe Leitlinie die Unterkieferprotrusionsschiene, und zwar mit ihrem höchsten Empfehlungsgrad [3]. Die Leitlinie stammt von 2019 und wird derzeit überarbeitet, die Stoßrichtung gilt aber weiter.
Wer blind das günstigere Produkt kauft, kauft am Problem vorbei. Erst die Ursache, dann das Mittel.
Kommt dein Schnarchen aus der Nase oder dem Rachen? Ein einfacher Selbst-Check
Eine saubere Diagnose macht der HNO-Arzt. Für eine erste Orientierung helfen dir aber ein paar Indizien zu Hause. Das gibt dir eine grobe Richtung. Eine Diagnose ersetzt es nicht.
Der erste Hinweis kommt vom Cottle-Test für die Nase. Leg einen Finger seitlich neben einen Nasenflügel und zieh die Wange leicht nach außen, sodass sich der Nasenflügel öffnet. Atmest du dadurch spürbar leichter durch diese Nasenseite, spricht das für eine Enge im Bereich der Nasenklappe, also eine nasale Komponente [4]. Das ist der gleiche Effekt, den ein Nasendilator mechanisch erzeugt. Sauber durchgeführt wird dieser Test eigentlich beim Arzt, zu Hause taugt er nur als grobe Selbsteinschätzung.
Ein zweites Indiz ist die Tonhöhe. Nasales Schnarchen klingt eher höher und schärfer, Schnarchen aus Mund und Rachen tiefer und diffuser. Frag deinen Partner, oder nimm dich mit einer Schnarch-App auf.
Schau außerdem, ob du mit offenem Mund schnarchst. Mundatmung im Schlaf deutet oft auf eine rachenbedingte Ursache hin. Ein häufig kursierender Tipp, dazu den Mund nachts zuzukleben, ist mit Vorsicht zu genießen: Wer wegen einer verstopften Nase auf die Mundatmung angewiesen ist, riskiert damit eine Verlegung der Atemwege [5]. Als Test taugt das nichts, als Warnsignal schon. Wenn du durch die Nase kaum Luft bekommst, ist die Nase dein Thema.

Bekommst du durch die Nase schlecht Luft, hast oft eine verstopfte oder einseitig verengte Nase, leidest unter Allergien? Dann lohnt der Blick zum Nasendilator. Schnarchst du eher mit offenem Mund, bei freier Nase, vielleicht verstärkt in Rückenlage? Dann zielt die Schiene auf die richtige Stelle.
Der Nasendilator: wie er wirkt, wann er hilft und wann nicht
Ein Nasendilator ist ein mechanisches Hilfsmittel, das die Nasengänge offen hält und den Luftstrom durch die Nase verbessert. Der Gedanke dahinter ist einfach: Die Nase ist der engste Abschnitt der oberen Atemwege und trägt einen großen Teil zum gesamten Atemwiderstand bei. Wer hier mehr Platz schafft, atmet leichter durch die Nase.
Der Haken: Leichter durch die Nase atmen heißt nicht automatisch leiser schnarchen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse hat Nasenpflaster und Nasenspreizer über 14 Studien mit 294 Patienten ausgewertet. Beim Apnoe-Hypopnoe-Index gab es praktisch keine Veränderung, von 28,7 auf 27,4 Ereignisse pro Stunde, statistisch nicht bedeutsam. Die Schnarchhäufigkeit sank zwar von 148 auf 96 Geräusche pro Stunde, doch auch dieser Effekt war statistisch nicht abgesichert [6]. Eine neuere systematische Übersicht über 17 Studien, darunter 5 randomisierte kontrollierte, mit knapp 500 Teilnehmern kommt zum gleichen Bild und empfiehlt Nasendilatatoren ausdrücklich nicht als alleinige Therapie bei schlafbezogenen Atmungsstörungen [7].
Die ehrliche Einordnung lautet deshalb: Ein Nasendilator ist ein sinnvoller, günstiger Versuch, wenn deine Nase die Engstelle ist. Bei einer rachenbedingten Ursache ist er das falsche Werkzeug. Und gegen eine Schlafapnoe richtet er nichts aus.
Nasendilator-Typen im Überblick (intern, extern, Nasenpflaster, Nasenklammer)
Alle Varianten verfolgen dasselbe Ziel und unterscheiden sich vor allem in Sitz und Handhabung.
| Typ | So funktioniert er | Eignung |
|---|---|---|
| Interner Nasenspreizer | Kleiner Kunststoffspreizer, der in die Nasenlöcher gesetzt wird | Wiederverwendbar, hält die Nasenflügel von innen offen |
| Externes Nasenpflaster | Elastischer Streifen außen auf dem Nasenrücken | Einmalprodukt, zieht die Nasenflügel von außen leicht auseinander |
| Nasenklammer | Klammer mit zwei Bügeln in den Naseneingängen | Wiederverwendbar, ähnliche Wirkrichtung wie der Spreizer |
Bei den Nasenpflastern ist die Studienlage am dünnsten. Sie können das subjektive Gefühl einer freieren Nase verbessern, einen belastbaren Effekt auf Schlafqualität oder Atemaussetzer zeigen sie aber nicht [8]. Interne Spreizer und Klammern wirken in der Regel direkter, weil sie die Nasenklappe von innen stützen. Welche Variante zu dir passt, ist auch eine Frage des Tragegefühls, das probiert man am besten aus.
Die Unterkieferprotrusionsschiene: Wirkprinzip und Eignung
Eine Unterkieferprotrusionsschiene, oft Schnarchschiene genannt, ist ein Mundstück für die Nacht. Sie koppelt Ober- und Unterkiefer und hält den Unterkiefer in einer leicht vorgeschobenen Position. Dadurch wandert auch die Zunge nach vorne, der Raum hinter dem Zungengrund bleibt offen, und die Weichteile im Rachen vibrieren weniger.
Für rachenbedingtes Schnarchen ist das der Ansatz mit der stärksten Leitlinien-Evidenz unter den apparatefreien Hilfsmitteln. Die S3-Leitlinie spricht der Schiene bei geeigneten Fällen ihren höchsten Empfehlungsgrad zu und rät dazu, Anpassung und Kontrolle mit zahnärztlicher und schlafmedizinischer Expertise zu begleiten [3].
Wichtig zur Wirkung: Die Schiene arbeitet rein mechanisch. Wenn sie passt, ist ihre schnarchreduzierende Wirkung bereits in den ersten Nächten da, sie schleicht sich nicht über Wochen ein. Was Zeit braucht, ist allein die Gewöhnung an das Tragegefühl, also der anfängliche Fremdkörpereindruck und etwas mehr Speichelfluss. Das legt sich meist nach wenigen Nächten.
Die Schiene ist nicht für jeden geeignet. Bei stark gelockerten Zähnen, größerem fehlenden Zahnbestand, herausnehmbarem Zahnersatz oder Problemen am Kiefergelenk sollte ein Zahnarzt vorab klären, ob sie infrage kommt.
Ein eigenes Thema ist die Schlafapnoe. Dass eine vorschiebende Schiene die Atemwege im Rachen offen hält, ist der Grund, warum die Schlafmedizin diese Schienenart überhaupt kennt. In diesem Kontext geht es allerdings um die zahnärztlich und schlafmedizinisch betreute Variante, nicht um eine im freien Verkauf bezogene Schiene. Eine diagnostizierte Schlafapnoe gehört in ärztliche Begleitung und nicht in Eigenregie. Wenn du Atemaussetzer im Schlaf vermutest, ist der erste Schritt die ärztliche Abklärung.
Schienen-Typen: vom Boil-and-Bite-Modell bis zur laborgefertigten Schiene
Schienen unterscheiden sich vor allem darin, wie genau sie an dein Gebiss angepasst sind.
| Typ | Anpassung | Einordnung |
|---|---|---|
| Boil-and-Bite | Selbst zu Hause durch Erwärmen geformt | Günstiger Einstieg zum Ausprobieren, ungleiche Druckverteilung, kein fein einstellbarer Vorschub |
| Halbindividuell | Versandabdruck, vorkonfektionierte Basis | Mittelweg bei Passform und Preis |
| Laborgefertigt, individuell | In spezialisierten Dentallaboren nach Abdruck gefertigt | Beste Passform, einstellbarer Vorschub, längste Haltbarkeit |
Ein Boil-and-Bite-Modell ist ein legitimer Test-Einstieg. Damit findest du heraus, ob du eine Schiene überhaupt verträgst und ob die Vorverlagerung des Unterkiefers dein Schnarchen in den Griff bekommt. Sitzt die Schiene allerdings schlecht, verteilt sich der Druck ungleich auf die Zähne, und bei dauerhaft schlechter Anpassung sind unerwünschte Zahnbewegungen oder eine Belastung des Kiefergelenks möglich. Wer dauerhaft eine Schiene tragen will, fährt mit einem laborgefertigten Modell besser, weil sich der Vorschub dort kontrolliert einstellen lässt.
Direkter Vergleich: Wirkung, Komfort, Pflege, Haltbarkeit
| Kriterium | Nasendilator | Unterkieferprotrusionsschiene |
|---|---|---|
| Wirkort | Vorderer Nasenraum | Raum hinter dem Zungengrund im Rachen |
| Passt bei | Nasaler Engstelle | Rachenbedingtem Schnarchen |
| Anpassung | Standardgrößen | Individuell, beim Labormodell einstellbar |
| Wirkung ab | Sofort | Mechanisch, wenn sie passt, in den ersten Nächten |
| Gewöhnung | Kaum nötig | Wenige Nächte ans Tragegefühl |
| Pflege | Regelmäßig reinigen, Pflaster sind Einwegprodukte | Reinigen, regelmäßige Kontrolle beim Labormodell |
| Haltbarkeit | Kurz, häufiger Austausch | Mehrere Jahre beim Labormodell |
| Mögliche Nebenwirkungen | Druckgefühl, Reizung der Nasenschleimhaut | Anfangs Speichelfluss, Druck auf Zähne und Kiefer |
Die Tabelle macht den Kern noch einmal greifbar: Beide Hilfsmittel wirken nur am richtigen Ort. Ein Hilfsmittel an der falschen Stelle bleibt wirkungslos, egal wie hochwertig es ist.
Was die Hilfsmittel kosten und wer was zahlt
Die Preisspannen liegen weit auseinander, das spiegelt aber vor allem den unterschiedlichen Aufwand wider.
| Lösung | Größenordnung | Bezug |
|---|---|---|
| Nasendilator, Nasenspreizer, Pflaster | etwa 10 bis 40 € | Drogerie, Apotheke, online |
| Boil-and-Bite-Schiene | meist 40 bis 140 € | online, Drogerie |
| Schiene direkt aus dem Dentallabor | rund 495 € | Anbieter mit Labor-Direktweg |
| Individuelle Schiene über den Zahnarzt | etwa 1.200 bis 2.000 € | Zahnarztpraxis |
Beim Nasendilator gibt es wenig zu rechnen. Ein Nasenspreizer kostet als Größenordnung um die 10 € und ist als Versuch überschaubar, solange deine Ursache wirklich in der Nase liegt.
Anders bei der Schiene. Hier klafft die Lücke zwischen dem günstigen Selbsttest und dem klassischen Weg über die Zahnarztpraxis weit auseinander. Die individuelle Anfertigung beim Zahnarzt kostet inklusive Beratung, Abdruck und Kontrollterminen in der Regel 1.200 bis 2.000 €. Dazwischen liegt der Direktweg über spezialisierte Dentallabore. Anbieter wie Snorly fertigen die individuelle Schiene direkt im Labor und kommen so auf rund 495 €, im Fall von Snorly inklusive Abdruckset zum Selbermachen und einer 60-Nächte-Garantie; die Eignung wird dort über eine medizinische Eignungsprüfung abgeklärt. Das ist eine Brücke zwischen dem teuren Praxisweg und dem unzuverlässigen Billigprodukt, eine von mehreren Optionen, nicht der einzige Weg.
Zur Krankenkasse: Bei reinem Schnarchen ohne Krankheitswert zahlt die gesetzliche Kasse in der Regel nichts, weder für den Nasendilator noch für die Schiene. Die Unterkieferprotrusionsschiene ist über die GKV erst dann eine Leistung, wenn eine obstruktive Schlafapnoe ärztlich diagnostiziert ist und sie als Zweitlinientherapie zum Einsatz kommt, etwa bei Unverträglichkeit der CPAP-Maske, abgewickelt über einen entsprechend qualifizierten Vertragsbehandler. Ausnahmen und Satzungsleistungen einzelner Kassen kann es geben, das klärst du am besten direkt mit deiner Kasse.
Gibt es einen Testsieger? Was Stiftung Warentest wirklich geprüft hat
Wer nach einem Nasenklammer-Testsieger oder einem Schnarchschienen-Testsieger sucht, wird enttäuscht: Eine offizielle Bestenliste der Stiftung Warentest zu Schnarchschienen gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Was es gibt, ist ein breiterer Anti-Schnarch-Test der Stiftung Warentest vom September 2021. Geprüft wurden 23 Hilfsmittel in fünf Kategorien, von der Lagetherapie über das Freihalten der Nase bis zur Unterkiefer-Vorverlagerung. Nur drei Produkte schnitten überhaupt als mit Einschränkungen geeignet ab: ein Schlaf-Shirt gegen die Rückenlage, ein Nasenspreizer und eine Schnarchschiene [9]. Das Fazit der Tester bringt den roten Faden dieses Artikels auf den Punkt: Ein Allheilmittel gegen das Schnarchen gibt es nicht, die Wirkung hängt von der individuellen Ursache ab.
Interessant für die Produktwahl: Bei den Nasen-Hilfsmitteln schnitten die Nasenpflaster schlecht ab, keines wurde als geeignet bewertet. Ein getesteter Nasenspreizer, etwa ein Modell für rund 11 € im Doppelpack, galt dagegen als einen Versuch wert, wenn die Engstelle im vorderen Nasenbereich liegt [10]. Eine fertige Rangliste ersetzt dieser Test also nicht, aber er liefert eine ehrliche Orientierung.
Wann du zum Arzt solltest statt zum Hilfsmittel zu greifen
Manche Anzeichen gehören vor jedes Hilfsmittel in eine ärztliche Abklärung.
- Du oder dein Partner bemerkt Atemaussetzer im Schlaf, also Pausen, gefolgt von lautem Luftschnappen.
- Du bist tagsüber dauerhaft müde, schläfst unkontrolliert ein, kannst dich schlecht konzentrieren.
- Das Schnarchen ist laut, unregelmäßig und du wachst wie gerädert auf.
- Du bekommst durch die Nase kaum Luft, dauerhaft und nicht nur bei Erkältung.
Hinter solchen Mustern kann eine obstruktive Schlafapnoe stecken, die ärztlich abzuklären und zu behandeln ist. Schlafmedizin und HNO sind hier die richtigen Anlaufstellen. Bevor du eine Schiene nutzt, prüft außerdem ein Zahnarzt, ob dein Gebiss dafür geeignet ist. Mehr dazu liest du in unserem Vergleich Schnarchschiene oder CPAP-Maske.
Welches Hilfsmittel passt zu dir? Entscheidungshilfe
| Eher Nasendilator | Eher Schnarchschiene |
|---|---|
| Schnarchen mit verengter oder verstopfter Nase | Schnarchen aus dem Rachen, mit offenem Mund |
| Cottle-Test verbessert die Nasenatmung deutlich | Freie Nase, Schnarchen oft verstärkt in Rückenlage |
| Günstiger, schneller Versuch gewünscht | Bereitschaft zu höheren Kosten für längere Nutzung |
| Allergie oder Erkältung als Auslöser | Gute Zahn- und Kieferverhältnisse |
Eine pragmatische Reihenfolge: Wenn dein Selbst-Check klar auf die Nase zeigt, starte mit einem günstigen Nasenspreizer. Zeigt er auf den Rachen, kannst du mit einem Boil-and-Bite-Modell testen, ob du eine Schiene verträgst, und bei Erfolg auf ein laborgefertigtes Modell umsteigen. Bleibt das Bild unklar oder kommen Warnsignale dazu, führt der Weg über die Praxis.
Wenn du tiefer in deine Auslöser einsteigen willst, hilft dir unser Artikel zu den Ursachen von Schnarchen. Einen breiteren Überblick über alle Ansätze gibt der Ratgeber zu Mitteln gegen Schnarchen, und wie eine Schiene genau arbeitet, erklärt der Beitrag wie Schnarchschienen funktionieren. Wer die Kostenseite der Schiene vertiefen möchte, findet das im Artikel zu den Kosten einer Unterkieferprotrusionsschiene.
Fazit
Welches Hilfsmittel passt, entscheidet deine Ursache. Preis und Testsieger-Listen helfen dir dabei nicht weiter. Sitzt die Engstelle in der Nase, ist ein Nasendilator ein günstiger, sinnvoller Versuch. Kommt das Schnarchen aus dem Rachen, setzt die Unterkieferprotrusionsschiene am richtigen Ort an und hat dafür die stärkste Leitlinien-Evidenz. Beides sind Hilfsmittel gegen das Schnarchen, keine Behandlung einer Schlafapnoe. Sobald Atemaussetzer und Tagesmüdigkeit dazukommen, geht der Weg zuerst zum Arzt.
Quellen
- AWMF S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen" (017-068), Ursachen und Topodiagnostik
- AWMF S3-Leitlinie Schnarchen (017-068): Therapieversuch mit Nasendilatatoren bei nasaler Atembehinderung im Nasenklappenbereich
- AWMF S3-Leitlinie Schnarchen (017-068): Empfehlung der Unterkieferprotrusionsschiene mit höchstem Empfehlungsgrad bei geeigneten Fällen (derzeit in Überarbeitung)
- Cleveland Clinic: Nasal Valve Collapse, Cottle-Manöver als Orientierungstest
- Nocturnal mouth-taping: A scoping review of the evidence, ScienceDirect
- Camacho M et al.: Nasal Dilators (Breathe Right Strips and NoZovent) for Snoring and OSA. A Systematic Review and Meta-Analysis, Pulmonary Medicine 2016
- Clinical Effectiveness of Nasal Dilators in Sleep-Disordered Breathing. A Systematic Review and Meta-Analysis (17 Studien, davon 5 randomisierte kontrollierte, 496 Teilnehmer), PMC
- Sleep Quality and Congestion with Breathe Right Nasal Strips. Two Randomized Controlled Trials, PMC
- Stiftung Warentest: Hilfsmittel gegen das Schnarchen, Besserung ist Glückssache (test.de, 22.09.2021)
- t-online / Stiftung Warentest: Anti-Schnarch-Mittel im Test 2021, Bewertung von Nasenpflaster und Nasenspreizer
Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2026
Häufige Fragen
Kann ich Nasendilator und Schnarchschiene gleichzeitig benutzen?
Ja, das ist möglich und kann sinnvoll sein, wenn dein Schnarchen mehr als eine Ursache hat. Atmest du nachts schlecht durch die Nase und schnarchst zusätzlich aus dem Rachen, decken die beiden Hilfsmittel unterschiedliche Wirkorte ab. Der Nasendilator hält die Nase offen, die Schiene schafft Platz im Rachen. Bei Unsicherheit, ob beides nötig ist, klärt ein HNO-Arzt deine Engstellen genauer.
Hilft ein Nasendilator gegen Schlafapnoe?
Nein. Studien zeigen, dass Nasendilatatoren die Nasenatmung verbessern können, aber keinen belastbaren Effekt auf den Apnoe-Hypopnoe-Index, die Sauerstoffsättigung oder die Schlafqualität haben. Eine Meta-Analyse über 14 Studien fand beim Apnoe-Hypopnoe-Index praktisch keine Veränderung. Eine obstruktive Schlafapnoe gehört ärztlich abgeklärt und behandelt, nicht mit einem Drogerie-Hilfsmittel.
Woran erkenne ich, ob ich durch die Nase oder durch den Rachen schnarche?
Ein erster Anhaltspunkt ist der Cottle-Test: Zieh die Wange neben dem Nasenflügel leicht nach außen. Atmest du dadurch spürbar freier, spricht das für eine nasale Enge. Höher klingendes Schnarchen deutet eher auf die Nase hin, tieferes und diffuseres auf Mund und Rachen. Schnarchst du mit offenem Mund, ist das oft ein Zeichen für eine rachenbedingte Ursache. Das sind erste Anhaltspunkte. Die Diagnose stellt der HNO-Arzt.
Ist ein günstiger Nasendilator für 20 Euro Geldverschwendung?
Nicht zwangsläufig. Wenn deine Engstelle wirklich in der Nase liegt, ist ein günstiger Nasenspreizer ein vertretbarer Versuch, das hat auch der Stiftung-Warentest-Test 2021 so eingeordnet. Geldverschwendung wird er, wenn dein Schnarchen aus dem Rachen kommt, denn dann setzt er am falschen Ort an. Mach vorher den Selbst-Check, statt blind zu kaufen. Nasenpflaster schnitten im Test übrigens deutlich schlechter ab als Spreizer.
Gibt es einen offiziellen Testsieger bei Schnarchschienen?
Nach aktuellem Stand gibt es keine offizielle Schnarchschienen-Bestenliste der Stiftung Warentest. Es existiert ein breiterer Anti-Schnarch-Test von 2021 über 23 Hilfsmittel, in dem eine Schnarchschiene und ein Nasenspreizer als mit Einschränkungen geeignet abschnitten. Eine fertige Rangliste mit einem klaren Testsieger ersetzt das nicht. Wer dir einen offiziellen Testsieger verspricht, dichtet.
Was kostet eine individuell gefertigte Schnarchschiene und zahlt die Krankenkasse?
Über die Zahnarztpraxis liegt eine individuell gefertigte Schiene inklusive Beratung, Abdruck und Kontrollen in der Regel bei 1.200 bis 2.000 €. Direkt aus spezialisierten Dentallaboren ist sie günstiger zu bekommen, etwa rund 495 €. Bei reinem Schnarchen zahlt die gesetzliche Kasse in der Regel nichts. Eine Leistung wird die Schiene meist erst bei ärztlich diagnostizierter obstruktiver Schlafapnoe als Zweitlinientherapie, abgewickelt über einen Vertragsbehandler. Einzelne Kassen können abweichen, das klärst du direkt mit deiner Kasse.
Wie lange muss ich mich an eine Schnarchschiene gewöhnen?
Die schnarchreduzierende Wirkung ist mechanisch und tritt, wenn die Schiene passt, bereits in den ersten Nächten ein. Gewöhnen musst du dich nur an das Tragegefühl, also den anfänglichen Fremdkörpereindruck und etwas mehr Speichelfluss. Das legt sich bei den meisten nach wenigen Nächten. Bleiben dauerhaft Beschwerden an Zähnen oder Kiefer, sprich mit dem Zahnarzt über Sitz und Einstellung der Schiene.
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