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Schlafapnoe

Schlafapnoe: Was du wissen solltest

Paul Richter
Paul Richter
10. Okt. 2024 · 10 Min
Medizinisch geprüft von Dr. Geissing , Zahnarzt
Schlafapnoe: Was du wissen solltest

Kurz & knapp

Schlafapnoe heißt: Im Schlaf setzt die Atmung wiederholt aus, jeweils länger als zehn Sekunden. Reines Schnarchen ist dabei harmlos. Erst die Atemaussetzer machen daraus eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA), bei der die oberen Atemwege im Schlaf verschließen.

Wenn dein Partner Atempausen bemerkt oder du dich trotz langer Nächte wie gerädert fühlst, gehört das abgeklärt. Der Weg führt über den Haus- oder Facharzt, ein ambulantes Heim-Screening (Polygraphie) und bei Bedarf eine Nacht im Schlaflabor (Polysomnographie, der Goldstandard). Der Schweregrad wird über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt: leicht bei 5 bis unter 15 Ereignissen pro Stunde, mittel bei 15 bis 30, schwer bei über 30.

Behandelt wird je nach Schweregrad. Standardtherapie ist die CPAP-Maske. Bei leichter bis mittlerer OSA oder wenn die Maske nicht vertragen wird, kommt eine ärztlich begleitete Unterkieferprotrusionsschiene infrage. Dazu Lagetherapie, Zungenschrittmacher, in seltenen Fällen eine Operation. Lebensstil hilft begleitend, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung.

Was ist Schlafapnoe?

Schlafapnoe bezeichnet wiederholte Atemaussetzer während des Schlafs. Von einer Apnoe spricht man, wenn die Atmung länger als zehn Sekunden komplett aussetzt. [1] Solche Pausen können sich Nacht für Nacht dutzendfach pro Stunde wiederholen, ohne dass du bewusst davon mitbekommst. Der Körper reagiert mit kurzen Weckreaktionen, der Schlaf wird zerstückelt, und am Morgen fühlst du dich, als hättest du kaum geschlafen.

Wichtig ist die Abgrenzung, die viele durcheinanderbringen. Schnarchen allein ist erst einmal harmlos. Es entsteht durch Vibration des erschlafften Gewebes im Rachen und sagt für sich genommen nichts über deine Gesundheit aus. Erst wenn zu diesem Geräusch echte Atemaussetzer hinzukommen, wird daraus Schlafapnoe. [1] Den Unterschied zwischen lautem Schnarchen und einer Apnoe haben wir im Artikel Schnarchen und Schlafapnoe: die Unterschiede ausführlicher erklärt.

Müde Person am Morgen im Bett

Obstruktive und zentrale Schlafapnoe: die zwei Formen

Schlafapnoe ist nicht gleich Schlafapnoe. Zwei Mechanismen werden unterschieden, und sie haben unterschiedliche Ursachen.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) sind die oberen Atemwege im Schlaf vorübergehend verlegt. Das erschlaffte Gewebe im Rachen fällt zusammen und blockiert die Luft. Der Atemantrieb funktioniert weiterhin, Brustkorb und Bauch arbeiten gegen das Hindernis an, doch es kommt keine Luft durch. [2] Das ist die mit Abstand häufigste Form.

Bei der zentralen Schlafapnoe sind die Atemwege offen, doch das Atemzentrum im Gehirn sendet keine ausreichenden Signale. Der Atemantrieb fehlt, der Körper versucht gar nicht erst zu atmen. Diese Form ist deutlich seltener und tritt häufig im Rahmen von Herz-, Nieren- oder neurologischen Erkrankungen auf. [2]

MerkmalObstruktive SchlafapnoeZentrale Schlafapnoe
UrsacheAtemwege im Schlaf verlegtAtemzentrum sendet keine Signale
Atemantriebvorhandenfehlt
Häufigkeithäufigste Formselten
Typischer KontextÜbergewicht, Anatomie des RachensHerz-, Nieren-, neurologische Erkrankungen

Der Rest dieses Artikels dreht sich überwiegend um die obstruktive Form, weil sie die häufigste ist und weil hier die meisten Behandlungswege offenstehen.

Wie verbreitet und wie gefährlich ist Schlafapnoe?

Wie viele Menschen betroffen sind, lässt sich nicht auf eine einzige Zahl festnageln. Die Angaben streuen je nach Quelle und Diagnosekriterien deutlich. Eine konservative, redaktionell belastbare Schätzung nennt etwa 5 Prozent der Männer und etwa 3 Prozent der Frauen mit obstruktiver Schlafapnoe. [3] Andere Quellen liegen höher. Klar ist: Es ist keine seltene Erkrankung, und ein großer Teil der Betroffenen weiß nichts davon.

Gefährlich wird Schlafapnoe vor allem, wenn sie unbehandelt bleibt. Die wiederholten Sauerstoffabfälle und Weckreaktionen belasten das Herz-Kreislauf-System über Jahre. Das Risiko steigt für:

  • Bluthochdruck
  • Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Herzrhythmusstörungen
  • Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • depressive Verstimmung
  • Sekundenschlaf, mit erhöhtem Unfallrisiko im Straßenverkehr

Wie eng die Kopplung an den Blutdruck ist, zeigt eine Zahl: Etwa 70 bis 85 Prozent der Menschen mit schwer einstellbarem Bluthochdruck weisen eine obstruktive Schlafapnoe auf. [4] Wer also trotz Medikamenten keinen guten Blutdruck einstellen kann, sollte den Schlaf im Blick haben.

Symptome und Warnzeichen: woran du Schlafapnoe erkennst

Das Tückische an Schlafapnoe: Die deutlichsten Zeichen passieren, während du schläfst. Viele Betroffene merken selbst wenig und erfahren erst durch den Partner, dass etwas nicht stimmt. Typische Anzeichen sind: [5]

  • lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen, oft vom Partner bemerkt
  • ausgeprägte Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer
  • Konzentrationsstörungen
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • trockener Mund beim Aufwachen
  • nächtliches Schwitzen und häufiges Wasserlassen
  • plötzliches Erwachen mit Herzrasen und Luftnot
  • Potenzprobleme

Ein einzelnes dieser Zeichen sagt für sich genommen wenig. Häufen sie sich, oder hat dein Partner schon Atempausen beobachtet, dann lohnt die Abklärung.

Selbsteinschätzung: erste Hinweise vor dem Arztbesuch

Bevor du einen Termin machst, kannst du das Bild für dich schärfen. Das ersetzt keine Diagnose, hilft dem Arzt aber, deine Lage einzuordnen.

Frag deinen Partner oder deine Familie. Wer neben dir schläft, bemerkt Atempausen und unregelmäßiges Schnarchen oft, lange bevor du selbst etwas spürst. Diese Fremdbeobachtung ist oft das erste verlässliche Signal.

Hilfreich ist auch, die eigenen Symptome über ein paar Wochen zu beobachten. Notiere, wie müde du tagsüber bist, ob du mit Kopfschmerzen oder trockenem Mund aufwachst, wie oft du nachts wach wirst. Ein einfaches Schlaf- und Schnarch-Tracking, ob auf Papier oder per App, macht Muster sichtbar.

Online-Fragebögen können einen ersten groben Hinweis auf dein Risiko geben. Sieh das Ergebnis als ersten Anstoß. Ein Befund ist es nicht. Sicher feststellen lässt sich eine Apnoe nur durch eine Messung der Atmung im Schlaf. Ein Quiz reicht dafür nicht.

Wann du zum Arzt solltest

Eine klare Linie: Sobald jemand bei dir echte Atempausen beobachtet hat, gehört das ärztlich abgeklärt. Das gilt auch dann, wenn du dich subjektiv ausgeschlafen fühlst.

Geh ebenfalls zum Arzt, wenn du dich dauerhaft müde und unkonzentriert fühlst, obwohl du genug Zeit im Bett verbringst, wenn du regelmäßig mit Kopfschmerzen aufwachst, oder wenn du trotz Medikamenten einen schlecht einstellbaren Blutdruck hast. Erster Ansprechpartner ist dein Hausarzt, der dich bei Verdacht an einen Schlafmediziner oder ein Schlaflabor weiterleitet.

Der Diagnoseweg: vom Hausarzt über die Polygraphie bis ins Schlaflabor

Der Weg zur Diagnose läuft in Stufen, vom Einfachen zum Genauen.

Schritt 1: Anamnese beim Arzt. Am Anfang steht das Gespräch beim Haus- oder Facharzt mit Erhebung der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Hier werden Symptome, Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen und vorhandene Erkrankungen erfasst. [7]

Schritt 2: Polygraphie zu Hause. Als ambulantes Screening dient die Polygraphie. Ein kleines tragbares Gerät misst bei dir zu Hause über Nacht Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Körperlage. [7] Du schläfst im eigenen Bett, am Morgen werden die Daten ausgewertet.

Schritt 3: Polysomnographie im Schlaflabor. Bei auffälligem Befund, unklaren Symptomen oder Begleiterkrankungen folgt die Polysomnographie im Schlaflabor. [7] Sie gilt als Goldstandard der Schlafapnoe-Diagnostik. Zusätzlich zu den Werten der Polygraphie erfasst sie die Hirnaktivität (EEG), die Augenbewegungen (EOG) und die Muskelaktivität (EMG) und zeichnet so ein vollständiges Bild deines Schlafs. [8]

Der Unterschied auf einen Blick:

Polygraphie (zu Hause)Polysomnographie (Schlaflabor)
Orteigenes ZuhauseSchlaflabor, eine Nacht vor Ort
GemessenAtemfluss, Sauerstoff, Herzfrequenz, Lagezusätzlich Hirnströme (EEG), Augen (EOG), Muskeln (EMG)
Rolleambulantes ScreeningGoldstandard, vollständige Diagnostik

AHI und Schweregrade: was leicht, mittel und schwer bedeutet

Wie schwer eine obstruktive Schlafapnoe ist, drückt der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) aus. Er zählt die Atemaussetzer und teilweisen Atemflussreduktionen pro Stunde Schlaf. Die Einteilung: [6]

SchweregradAHI (Ereignisse pro Stunde)
normalbis 5
leicht5 bis unter 15
mittel15 bis 30
schwerüber 30

Ein hoher AHI allein bedeutet aber noch nicht automatisch eine Behandlung. Eine obstruktive Schlafapnoe wird in der Regel angenommen, wenn der AHI bei mindestens 5 pro Stunde liegt und gleichzeitig typische Beschwerden oder Begleiterkrankungen bestehen. Ohne Symptome gilt die Schwelle erst ab einem AHI von mindestens 15 pro Stunde. Behandelt wird üblicherweise bei vorhandenen Beschwerden oder ab mittlerem Schweregrad. [6] Wenn dir dein Arzt also einen AHI-Wert nennt, lies ihn immer zusammen mit deinen Symptomen.

Behandlung im Überblick: von Lebensstil bis CPAP

Welche Behandlung passt, hängt vom Schweregrad ab, von den Beschwerden und davon, was du verträgst. Die Optionen reichen von begleitenden Lebensstilmaßnahmen über die Atemmaske bis zu apparativen und operativen Verfahren. Die folgenden Abschnitte gehen die wichtigsten der Reihe nach durch.

CPAP als Standardtherapie

Die CPAP-Therapie ist die Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe. [9] CPAP steht für kontinuierlichen Atemwegsüberdruck: Ein Gerät pumpt über eine Maske einen leichten Luftstrom in die Atemwege und hält sie so die ganze Nacht offen. Laut der S3-Leitlinie der DGSM können CPAP und die selbstregulierende Variante APAP gleichwertig zur Einleitung und Langzeittherapie eingesetzt werden, und beide sollten vor anderen Druckverfahren versucht werden. [9]

Die Maske ist wirksam, gilt aber für manche Menschen als unbequem. Wer sie nicht verträgt, steht damit nicht ohne Optionen da.

Die Unterkieferprotrusionsschiene als ärztlich begleitete Option

Bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe empfiehlt die S3-Leitlinie der DGSM die individuell angefertigte, adjustierbare Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) als Therapieoption. Bei schwerer OSA oder als Zweitlinie kommt sie infrage, wenn die CPAP-Therapie nicht vertragen wird. [10] Die Schiene schiebt den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorn und hält so die Atemwege offen. Aus diesem Mechanismus erklärt sich, warum die Schlafmedizin auf genau diese Schienenart setzt.

Was die Studienlage sagt: Hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit ist die Schiene der CPAP nicht unterlegen. [10] Den AHI senkt die CPAP allerdings stärker, das zeigt die S3-Leitlinie der DGSM anhand der Studiendaten. [9] Wichtig ist die Einordnung: Eine diagnostizierte Schlafapnoe gehört immer in ärztliche Begleitung. Die Schiene ist hier kein Mittel zur Selbstbehandlung. Sie gehört in einen ärztlich begleiteten Plan. Wie eine solche Schiene genau wirkt, beschreiben wir im Artikel Wie funktionieren Schnarchschienen, und die Abwägung gegen die Maske im Detail im Beitrag Schnarchschiene oder CPAP-Maske.

Beim Bezug einer individuell gefertigten Schiene gibt es zwei Wege. Über den Zahnarzt als Selbstzahler liegen die Kosten in der Regel zwischen 1.200 und 2.000 Euro, mit Beratung, Abdruck und Kontrollterminen. Wird die Schiene als Zweitlinientherapie bei diagnostizierter Schlafapnoe und nicht erfolgreicher CPAP-Therapie ärztlich verordnet, können die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten auf Basis eines G-BA-Beschlusses in der Regel übernehmen. [11] Alternativ lassen sich solche Schienen auch direkt über spezialisierte Dentallabore beziehen, etwa über Anbieter wie snorly.de, die sie zum Festpreis fertigen. Den Kostenrahmen ordnen wir im Artikel Unterkieferprotrusionsschiene: Kosten ein.

Weitere Verfahren: Lagetherapie, Zungenschrittmacher, Operation

Neben Maske und Schiene gibt es weitere Verfahren, die je nach Befund infrage kommen.

Die Lagetherapie ist Bestandteil der Behandlung bei leicht- bis mittelgradiger, lageabhängiger OSA. Sie sorgt dafür, dass du bevorzugt in Seitenlage schläfst, weil die Atemwege in Rückenlage leichter zufallen. [12]

Der Zungenschrittmacher (Hypoglossus-Stimulation) kommt bei mittelschwerer bis schwerer OSA infrage, wenn eine CPAP-Therapie nicht vertragen wird oder nicht möglich ist. Ein kleines implantiertes Gerät stimuliert dabei den Zungenmuskel. [12]

Operative Eingriffe an den oberen Atemwegen sind weitere, nachrangige Optionen, die erst nach Ausschöpfen der anderen Verfahren erwogen werden. [12]

Was du selbst tun kannst

Begleitend zur ärztlichen Behandlung empfiehlt die S3-Leitlinie bei jeder leichten OSA eine Veränderung des Lebensstils. [13] Konkret heißt das:

  • Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht oder Adipositas vorliegen
  • die Schlafhygiene optimieren
  • auf Alkohol am Abend verzichten

Für den allgemeinen Alkoholkonsum gelten als Orientierung höchstens 25 Gramm pro Tag für Männer und höchstens 12 Gramm pro Tag für Frauen. [13] Diese Maßnahmen können den Verlauf verbessern, sie ersetzen aber keine ärztliche Behandlung. Reine Medikamente haben bei obstruktiver Schlafapnoe übrigens keinen belegten Nutzen, eine Tablette gegen Apnoe gibt es nicht. [14]

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG im Auftrag des G-BA), Obstruktive Schlafapnoe
  2. MSD Manual, Zentrale Schlafapnoe
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG), Obstruktive Schlafapnoe
  4. Lungeninformationsdienst, Schlafapnoe: Risikofaktoren
  5. gesundheitsinformation.de (IQWiG), Obstruktive Schlafapnoe
  6. MSD Manual, Obstruktive Schlafapnoe (Profi-Ausgabe)
  7. gesundheitsinformation.de (IQWiG), Obstruktive Schlafapnoe
  8. Löwenstein Medical, Stellenwert der Polysomnographie
  9. AWMF S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen (DGSM, Reg.-Nr. 063-001)
  10. Lungenärzte im Netz (zur IQWiG-Bewertung N18-03)
  11. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Beschluss vom 20.11.2020
  12. Klinikum Stuttgart, Zungenschrittmacher (Hypoglossus-Stimulation), und AWMF S3-Leitlinie (DGSM)
  13. AWMF S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen (DGSM, Teil-Aktualisierung 2020)
  14. gesundheitsinformation.de (IQWiG), Obstruktive Schlafapnoe

Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2026

Häufige Fragen

Ist lautes Schnarchen schon Schlafapnoe?

Nein. Schnarchen entsteht durch Vibration des erschlafften Gewebes im Rachen und ist für sich genommen harmlos. Von Schlafapnoe spricht man erst, wenn echte Atemaussetzer hinzukommen, also die Atmung wiederholt länger als zehn Sekunden komplett aussetzt. Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit hörbaren Atempausen ist allerdings ein Warnzeichen und gehört abgeklärt.

Wie unterscheidet sich die Polygraphie zu Hause von der Polysomnographie im Schlaflabor?

Die Polygraphie ist ein ambulantes Screening: Ein kleines tragbares Gerät misst bei dir zu Hause über Nacht Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Körperlage. Die Polysomnographie findet im Schlaflabor statt und gilt als Goldstandard. Sie erfasst zusätzlich die Hirnaktivität (EEG), die Augenbewegungen (EOG) und die Muskelaktivität (EMG) und liefert so ein vollständiges Bild des Schlafs. In der Regel kommt die Polysomnographie zum Einsatz, wenn die Heim-Messung auffällig ist oder Begleiterkrankungen vorliegen.

Was bedeutet mein AHI-Wert?

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zählt die Atemaussetzer und teilweisen Atemflussreduktionen pro Stunde Schlaf. Bis 5 pro Stunde gilt als normal, 5 bis unter 15 als leicht, 15 bis 30 als mittel und über 30 als schwer. Ein hoher Wert allein bedeutet aber noch keine Behandlung: Entscheidend ist der AHI zusammen mit deinen Symptomen. Behandelt wird in der Regel bei vorhandenen Beschwerden oder ab mittlerem Schweregrad.

Gibt es eine Schlafapnoe-Therapie ohne Maske?

Ja. Wenn die CPAP-Maske nicht vertragen wird, stehen mehrere ärztlich begleitete Optionen zur Verfügung. Bei leichter bis mittlerer obstruktiver Schlafapnoe kommt eine individuell angefertigte Unterkieferprotrusionsschiene infrage. Dazu gibt es die Lagetherapie, bei mittelschwerer bis schwerer OSA den Zungenschrittmacher und in nachrangigen Fällen operative Eingriffe. Welcher Weg passt, hängt vom Schweregrad ab und gehört in ärztliche Hand.

Für wen kommt eine Unterkieferprotrusionsschiene statt CPAP infrage?

Die individuell angefertigte, adjustierbare Unterkieferprotrusionsschiene wird laut S3-Leitlinie der DGSM bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe als Therapieoption empfohlen. Bei schwerer OSA oder als Zweitlinie kommt sie infrage, wenn die CPAP-Therapie nicht vertragen wird. Hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit ist sie der CPAP nicht unterlegen, die CPAP senkt den AHI jedoch stärker. Eine diagnostizierte Schlafapnoe gehört in jedem Fall in ärztliche Begleitung.

Zahlt die Krankenkasse die Schiene bei Schlafapnoe?

In der Regel ja, aber als Zweitlinientherapie. Seit dem 24. Februar 2021 ist die individuell gefertigte, adjustierbare Unterkieferprotrusionsschiene auf Basis eines G-BA-Beschlusses eine GKV-Leistung. Krankenkassen können sie bei Erwachsenen mit diagnostizierter, behandlungsbedürftiger obstruktiver Schlafapnoe übernehmen, wenn eine CPAP-Therapie nicht erfolgreich angewendet werden kann. Die Schiene wird dann ärztlich verordnet und in spezialisierten Dentallaboren individuell gefertigt. Bei reinem Schnarchen ohne diagnostizierte Apnoe zahlt die gesetzliche Kasse in der Regel nichts.

Helfen Hausmittel gegen Schlafapnoe?

Lebensstilmaßnahmen können den Verlauf begleitend verbessern, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung. Die S3-Leitlinie empfiehlt bei leichter OSA, das Gewicht zu reduzieren, die Schlafhygiene zu optimieren und auf Alkohol am Abend zu verzichten. Reine Medikamente haben bei obstruktiver Schlafapnoe dagegen keinen belegten Nutzen, eine Tablette gegen Apnoe gibt es nicht. Bei Verdacht auf Schlafapnoe führt der Weg deshalb zum Arzt.

Was passiert, wenn Schlafapnoe unbehandelt bleibt?

Unbehandelte obstruktive Schlafapnoe erhöht über die Jahre das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen. Hinzu kommen Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, depressive Verstimmung und ein erhöhtes Unfallrisiko durch Sekundenschlaf. Wie eng der Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System ist, zeigt sich daran, dass etwa 70 bis 85 Prozent der Menschen mit schwer einstellbarem Bluthochdruck eine obstruktive Schlafapnoe aufweisen.

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